Diese Frage taucht immer wieder einmal auf, vor Kurzem erst in DIE ZEIT (Ausgabe 38).

Persönlichkeit sei höchstes Glück für Erdenkinder, so im Buch Suleika (West-Östlicher Divan), wer sie hat, kann sich also freuen. Der Artikel nun verfolgt die Frage, ob sie über die Handschrift festzustellen ist. Keine Frage, sagt der Graphologe. Alles Humbug, sagen Kritiker.

Nun, es erscheint wohl zunächst als unumgänglich, sich mit dem Begriff der Persönlichkeit auseinanderzusetzen, Goethe sprach nicht ohne Ironie, ja ohne Spott. Die Zeiten aber haben sich geändert. Heute ist Persönlichkeit nicht länger ein Prädikat, das einzig oder im Wesentlichen auf Herkunft und Bildung aufbaut. Heute sind breite Schichten der Bevölkerung angesprochen. Heute liegen differenzierte Betrachtungen zugrunde. Heute hat der Begriff letztlich eine höhere Bedeutung. Damals wie heute aber ist die Persönlichkeit nicht gleichzustellen mit der Idee eines guten Menschen.

Der Artikel bezieht sich auf eine Arbeit aus dem Jahre 1989. In dieser sind Neter und Ben-Shakhar der Frage nachgegangen, ob Psychologen, Graphologen und Laien sich in ihrem Urteil über berufliche Leistsungen Anderer unterscheiden. Die Graphologen schnitten nicht besser ab.

Anzumerken ist, dass die Autoren ihre Arbeit zutreffend als >A Meta-Analytic-Approach< titulieren. Das ist nur korrekt, denn es werden lediglich die Ergebnisse von (siebzehn) ausgewählten Studien statistisch ausgewertet, und das über sehr offene Begriffe und Fragestellungen. So aber wird tatsächlich nicht die Methode selbst, sondern ihre Anwendung betrachtet.

Geht man davon aus – hier kann nur unterstellt werden, da die Studie keine Angaben macht, dass die Qualifikation der Psychologen und Graphologen nicht infrage gestellt werden kann, dann stimmt die Aussage schon nachdenklich, wonach die graphologische Beurteilung keinen Vorteil geschaffen hat. Das Thema ist damit aber methodologisch betrachtet nicht annähernd aus der Welt. Abgesehen davon, wenn der Anwender im Fokus der Untersuchung steht, dann sind Aussagen über die Methode eben nicht zulässig.

Eine Studie, welchen den Unterschied zwischen Methode und ihrer Anwendung also nicht sieht, nicht deutlich macht, nicht konsequent einhält, kommt leicht, ja vorhersehbar zu Ergebnissen, die infrage zu stellen sind. Unabhängig davon, an Kritik ist leicht zu erkennen, ob ihr Verfasser die Methode kennt. Beachtlich in diesem Zusammenhang ist noch, dass einer edv-gestützten graphologischen Analyse tatsächlich Wertigkeit eingeräumt wird.

Verrät die Handschrift unsere Persönlichkeit?

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