Schon die Griechen der Antike oder die Chinesen vor etwa eintausend Jahren beschäftigten sich mit der Deutung von Handschrift, die psychologische Deutung der Handschrift als Lehre besteht seit gut einhundert Jahren, ihren Ursprung hat sie in Frankreich.

Heute wird neben der Graphologie von der Schriftpsychologie (Ausdruckspsychologie) gesprochen. Hinzu kommt der Schriftsachverständige.

Das Gebiet der Schriftpsychologie und das der Graphologie überdecken sich in einem Maße, dass die Unterscheidung nicht überzeugend begründet werden kann, es sei denn, man folgt der Auffassung, der Graphologe arbeite nicht in dem hohen Maße wissenschaftlich wie es für den Schriftpsychologen gilt, wenn er die Schriftanalyse im Rahmen eines Studiums der Psychologie erlernt. Rein methodisch betrachtet kann man zudem Teut Wallner folgen. Nach Wallner et al. verwenden Schriftpsychologen nur solche Merkmale, die “graphometrisch” erfassbar, die messbar sind und zudem “in gleicher Ausprägung in allen zur gleichen Zeit gefertigten Schriftproben” einer Schrift erscheinen, was implizite sagen will, dass Graphologen auch nicht messbare Merkmale verwenden und somit die Nachvollziehbarkeit ihrer Arbeit eingeschränkt ist. Nicht um die Aussagensysteme geht es, sondern allein um die Frage, welche der Merkmale den höchsten Grad an Validität haben, aber auch um die Frage, ob bei einem Graphologen nicht das Risiko von Subjektivität besteht.

Der Schriftsachverständige deutet nicht, er untersucht Schriften auf ihre Urheberschaft hin, er arbeitet forensisch. So wird zB über den Vergleich von Schriftmerkmalen in einer Unterschrift und einem handschriftlichen Text auf zweitem Dokument der Frage nach der Echtheit der Unterschrift nachgegangen.

Aus meiner Praxis als Graphologe wie als Manager hat sich für mich Typenlehre herausgebildet, die sich an kritischem Verhalten orientiert. Wir Menschen sind außerordentlich vielschichtig, Denken wir nur an unsere Gefühle, unseren Intellekt, unsere Physis und Motorik, Stimmungen und nicht zuletzt die in uns wirkenden, aber nicht erklärlichen Phänomene, Strömungen, Kräfte. Im Grunde liegt jedes Verhalten in Jedem von uns, mal kommt es mehr zum Ausdruck, mal weniger. Grenzwertig aber wird ein solches Verhalten erst, wenn es eine gewisse Konstante darstellt, also nicht situativ begründet festzustellen ist.

Für mich haben sich die Typologien der

– Ichbezogenheit
– Beraubtheit
– Verfolgtheit
– Unterwürfigkeit

herausgebildet.

Enthält nun eine Schrift die Merkmale, die auf mindestens eine dieser Typologien hinweist – es ist freilich grundsätzlich von Mischformen auszugehen, dann liegt in der Person des Schreibers ein mehr oder weniger grenzwertiges Potential zu kritischem Verhalten, dann lassen sich Verhaltensmuster als Grundlage von Verhaltensprognosen definieren, dann lassen sich Eignungsfragen besser einschätzen, sei es in der Arbeitswelt, sei es im privaten Bereich.

An der Stelle darf ich auf mein Buch “Personalauswahl und Graphologie” (2010) hinweisen. Die hier nur referierte Typenlehre und die Frage nach der Validität von Merkmalen der psychologischen Schriftdeutung sind dort ausführlicher behandelt.

Was ist Graphologie
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